Die Zahnarztpraxis in Schwabing von Dr. Julia Erasmus ist spezialisiert auf die Behandlung von Parodontitis. Im Folgenden wollen wir ihnen einige wichtige Informationen zum Krankheitsbild Parodontitis geben.
Parodontitis ist eine chronische, meist bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates (Zahnfleisch, Wurzelzement, Wurzelhaut und Kieferknochen), die unbehandelt zu Zahnlockerung und Zahnverlust führen kann.
Entstehung und Risikofaktoren
Auslöser ist in der Regel ein bakterieller Biofilm (Plaque), der sich an schwer zugänglichen Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen anlagert und zu einer Entzündungsreaktion des Gewebes führt. Wird dieser Biofilm nicht ausreichend mechanisch entfernt, wandern die Bakterien am Zahn entlang in Richtung Zahnwurzel, es bilden sich Zahnfleischtaschen und der darunterliegende Knochen wird abgebaut.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen eine unzureichende Mundhygiene, Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes mellitus, genetische Disposition sowie bestimmte Medikamente, die etwa zu Mundtrockenheit führen. Rauchen und eine schlechte Blutzuckerkontrolle verschlechtern die Durchblutung und Immunantwort im Zahnfleisch und beeinträchtigen damit die Heilungschancen der Therapie.
Symptome und Folgen
Frühe Symptome sind gerötetes, geschwollenes und leicht blutendes Zahnfleisch, insbesondere beim Zähneputzen oder bei der Verwendung von Zahnseide. Mit Fortschreiten der Erkrankung können Mundgeruch, Zahnfleischrückgang (länger wirkende Zähne) und zunehmende Zahnlockerung auftreten.
In fortgeschrittenen Stadien entstehen tiefe Zahnfleischtaschen und es kommt zu relevantem Knochenabbau um die Zähne, was schließlich zum Verlust einzelner oder mehrerer Zähne führen kann. Parodontitis steht zudem in Zusammenhang mit systemischen Erkrankungen und kann das Risiko für Herz‑Kreislauf-Erkrankungen und eine Verschlechterung eines bestehenden Diabetes erhöhen.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt durch eine zahnärztliche Untersuchung, bei der klinische Parameter wie Sondierungstiefen der Zahnfleischtaschen, Blutung auf Sondieren und Lockerungsgrade der Zähne erhoben werden. Ab einer Taschentiefe von etwa vier Millimetern und entsprechenden klinischen Befunden gilt eine Parodontitis als behandlungsbedürftig.
Röntgenaufnahmen dienen zur Beurteilung des Knochenabbaus und zur Verlaufsbeurteilung. Moderne Klassifikationen berücksichtigen neben Taschentiefe und Knochenverlust auch den Krankheitsverlauf (Staging und Grading), um das individuelle Risiko besser einzuschätzen.
Grundprinzipien der Behandlung
Ziel der Therapie ist es, die verursachenden bakteriellen Beläge zu entfernen, die Entzündung zu kontrollieren, weiteren Knochenabbau zu verhindern und die Zähne langfristig zu erhalten. Zentral ist dabei die konsequente mechanische Plaquereduktion, sowohl professionell in der Praxis als auch durch optimierte häusliche Mundhygiene.
Die Behandlung erfolgt leitliniengerecht in mehreren strukturierten Phasen: Initial‑ bzw. Basistherapie, nicht‑chirurgische subgingivale Reinigung, ggf. chirurgische Therapie und anschließende unterstützende Parodontitistherapie (Recall).
Konservative (nicht‑chirurgische) Therapie
In der Vorbehandlung werden harte und weiche Beläge oberhalb des Zahnfleischrands (supragingival) entfernt und die Patientinnen und Patienten in effektiver Mundhygiene geschult (Zahnbürstentechnik, Zwischenraumpflege). Risikofaktoren wie Rauchen oder schlecht eingestellter Diabetes werden angesprochen, da deren Kontrolle wesentlich zum Therapieerfolg beiträgt.
Anschließend werden die Zahnwurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischrands (subgingival) mit Handinstrumenten und/oder Ultraschall gereinigt (Scaling und Root Planing), um Biofilm und Konkremente zu entfernen. Dieser Schritt wird häufig unter lokaler Anästhesie durchgeführt und ist Kern der konservativen Parodontitistherapie, die in Leitlinien als professionelle mechanische Plaquereduktion (PMPR) bezeichnet wird.
Einsatz von Antibiotika und adjuvanten Maßnahmen
In den meisten Fällen reicht eine konsequente mechanische Therapie in Kombination mit guter Mundhygiene aus, um die Entzündung zu kontrollieren. Bei schweren, aggressiven oder therapieresistenten Verläufen kann zusätzlich eine systemische Antibiotikatherapie, meist eine Kombination aus Amoxicillin und Metronidazol, empfohlen werden.
Alternativ oder ergänzend können lokale Antibiotika (Gel, Chips) in die Zahnfleischtaschen eingebracht werden, wobei deren Nutzen sorgfältig abgewogen werden muss. Kurzfristig können antiseptische Mundspüllösungen, z. B. mit Chlorhexidin, unterstützend eingesetzt werden, insbesondere wenn die mechanische Reinigung vorübergehend eingeschränkt ist.
Chirurgische Therapie
Wenn nach der konservativen Behandlung tiefe Taschen bestehen bleiben und die Reinigung der Wurzeloberflächen nicht ausreichend war, können chirurgische Eingriffe angezeigt sein. Im Rahmen einer sogenannten offenen Kürettage oder Zugangslappenoperation wird das Zahnfleisch unter lokaler Betäubung aufgeklappt, um Beläge und entzündliches Gewebe unter Sicht zu entfernen und ggf. regenerierende Maßnahmen am Knochen durchzuführen.
Je nach Befund kommen resektive Eingriffe (Konturierung von Knochen und Weichgewebe) oder regenerative Verfahren mit Knochenersatzmaterialien und Membranen zur Anwendung. Ziel ist, die Taschentiefe zu reduzieren, Plaque-Retentionsstellen zu minimieren und eine bessere Reinigbarkeit für die häusliche und professionelle Pflege zu erreichen.
Nachsorge und Langzeitbetreuung
Nach Abschluss der aktiven Therapie schließt sich eine lebenslange unterstützende Parodontitistherapie (UPT) mit regelmäßigen Kontrollen und professionellen Reinigungen an. In diesen Sitzungen werden die Mundhygiene überprüft, verbliebene Beläge über und unter dem Zahnfleisch entfernt und Risikofaktoren erneut adressiert.
Die Intervalle richten sich nach individuellem Risiko und reichen in der Regel von drei bis zwölf Monaten. Konsequent durchgeführte Nachsorge ist entscheidend, um ein Wiederaufflammen der Entzündung zu verhindern und den erzielten Therapieerfolg langfristig zu stabilisieren.
Bedeutung der Eigeninitiative
Der langfristige Verlauf einer Parodontitis hängt wesentlich von der Mitarbeit der Betroffenen ab. Eine sorgfältige häusliche Mundhygiene mit systematischer Zahn- und Zwischenraumpflege, Rauchstopp sowie eine gute Kontrolle systemischer Erkrankungen wie Diabetes sind unverzichtbare Säulen der Behandlung.
Selbst bei fortgeschrittener Parodontitis kann durch frühzeitige Diagnose, strukturierte Therapie und konsequente Nachsorge der Krankheitsprozess häufig gestoppt oder deutlich verlangsamt und der Zahnhalteapparat stabilisiert werden. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen ermöglichen es, Rückfälle rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Leiden sie unter Parodontitis? Vereinbaren sie einen Behandlungstermin unter 089-398360.
Dr. Julia Erasmus – Ihre Zahnärztin in Schwabing, Leopoldstraße 95, Nähe Münchner Freiheit.
